Arbeitsgedächtnis nach Baddeley: das Modell und seine Belege
Zentrale Exekutive, phonologische Schleife, visuell-räumlicher Notizblock und episodischer Puffer: das Arbeitsgedächtnismodell von Baddeley und Hitch mit den Experimenten, die in Klausuren abgefragt werden.
Das Arbeitsgedächtnis hält Informationen kurz bereit und verarbeitet sie gleichzeitig, etwa beim Kopfrechnen oder beim Verstehen eines langen Satzes. Alan Baddeley und Graham Hitch stellten 1974 ein Modell vor, das dieses System in mehrere spezialisierte Komponenten aufteilt. Es löste die Vorstellung eines einheitlichen Kurzzeitspeichers ab und gehört bis heute zum Kernstoff der Allgemeinen Psychologie.
Die vier Komponenten
| Komponente | Aufgabe |
|---|---|
| Zentrale Exekutive | Steuert die Aufmerksamkeit, koordiniert die Subsysteme, speichert selbst nichts |
| Phonologische Schleife | Hält sprachliche Information, bestehend aus phonologischem Speicher und artikulatorischem Kontrollprozess |
| Visuell-räumlicher Notizblock | Hält visuelle und räumliche Information, etwa die Lage von Objekten |
| Episodischer Puffer | Verbindet Information aus den Subsystemen und dem Langzeitgedächtnis zu einheitlichen Episoden |
Der episodische Puffer kam erst im Jahr 2000 hinzu. Baddeley ergänzte ihn, weil das ursprüngliche Modell nicht erklären konnte, wie Menschen etwa ganze Sätze deutlich besser behalten als zufällige Wortlisten.
Die wichtigsten Belege
Phonologischer Ähnlichkeitseffekt
Listen aus ähnlich klingenden Wörtern werden schlechter erinnert als Listen aus unterschiedlich klingenden Wörtern. Das spricht dafür, dass sprachliche Information klanglich gespeichert wird.
Wortlängeneffekt
Kurze Wörter werden besser erinnert als lange. Die Erklärung: Die Information im phonologischen Speicher zerfällt nach etwa zwei Sekunden, wenn sie nicht innerlich wiederholt wird. In diese Zeit passen mehr kurze als lange Wörter.
Artikulatorische Unterdrückung
Wenn Versuchspersonen während des Lernens laut etwas Irrelevantes wiederholen, etwa „der, der, der“, verschwindet der Wortlängeneffekt. Der innere Wiederholungsprozess ist blockiert.
Doppelaufgaben
Zwei sprachliche Aufgaben gleichzeitig stören sich stark, eine sprachliche und eine räumliche dagegen kaum. Das stützt die Annahme getrennter Subsysteme.
Abgrenzung zum Kurzzeitgedächtnis
Im Mehrspeichermodell von Atkinson und Shiffrin ist das Kurzzeitgedächtnis vor allem ein passiver Durchgangsspeicher. Das Arbeitsgedächtnis betont dagegen die aktive Verarbeitung. In Klausuren wird gern gefragt, worin sich beide Konzepte unterscheiden. Zur Kapazität solltest du zwei Zahlen kennen: Millers „sieben plus minus zwei“ Einheiten und die neuere Schätzung von Cowan mit etwa vier Einheiten, wenn das Wiederholen verhindert wird.
Typische Klausurfallen
- Die zentrale Exekutive speichert keine Information, sie steuert nur.
- Die phonologische Schleife verarbeitet auch gelesene Wörter, weil diese innerlich in Lautform übersetzt werden.
- Der episodische Puffer gehört zur Erweiterung von 2000, nicht zum Originalmodell von 1974.
Weiterlernen
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Arbeitsgedächtnis und Kurzzeitgedächtnis?
Das Kurzzeitgedächtnis wird meist als passiver Speicher beschrieben. Das Arbeitsgedächtnis hält Information bereit und verarbeitet sie zugleich.
Wie lange hält die phonologische Schleife Information?
Ohne innere Wiederholung etwa zwei Sekunden. Durch Wiederholen kann sie länger aufrechterhalten werden.
Welche Aufgabe hat die zentrale Exekutive?
Sie lenkt die Aufmerksamkeit, wechselt zwischen Aufgaben und koordiniert die Subsysteme. Speichern kann sie selbst nicht.
Häufige Fragen
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