Für eine psychologische Literaturrecherche brauchst du in der Regel drei Quellen: PsycInfo für die internationale Fachliteratur, PSYNDEX für deutschsprachige Arbeiten und Google Scholar zum Nachverfolgen von Zitationen. Gute Recherche beginnt mit Suchbegriffen auf Englisch, kombiniert sie mit Booleschen Operatoren und nutzt den Thesaurus der Datenbank statt freier Stichwörter. Wer nur bei Google Scholar sucht, findet viel, aber selten systematisch.
Welche Datenbank nutzt du wofür?
Jede Datenbank hat eine eigene Stärke. Für eine Bachelorarbeit kombinierst du meistens zwei oder drei.
| Datenbank | Anbieter | Inhalt | Zugang |
|---|---|---|---|
| PsycInfo | American Psychological Association | internationale psychologische Fachliteratur, Schlagwörter aus dem APA Thesaurus | Lizenz über die Unibibliothek, Oberfläche je nach Uni z. B. EBSCOhost oder Ovid |
| PSYNDEX | Leibniz-Institut für Psychologie (ZPID) | psychologische Literatur aus dem deutschsprachigen Raum, auch Testverfahren | über die Unibibliothek bzw. die Angebote des ZPID |
| PubMed | US National Library of Medicine | Medizin, Neurowissenschaft, klinische Psychologie, MeSH-Schlagwörter | frei |
| Web of Science, Scopus | Clarivate, Elsevier | fachübergreifend, gut für Zitationsanalysen | Lizenz über die Uni |
| Google Scholar | sehr breit, mit Funktion „Zitiert von“ | frei |
PsycInfo ist der Standard. Wenn deine Arbeitsgruppe nach „der Datenbank“ fragt, meint sie fast immer diese. PSYNDEX lohnt sich, wenn dein Thema einen deutschsprachigen Bezug hat, etwa Schulsystem, deutsche Testnormen oder Versorgungsforschung in Deutschland und Österreich. Für klinische und biopsychologische Themen ist PubMed oft ergiebiger als PsycInfo.
Melde dich für PsycInfo und Web of Science über das Uninetz oder den VPN deiner Hochschule an. Von zu Hause ohne VPN landest du sonst bei der Bezahlschranke.
Wie baust du einen Suchstring?
Ein Suchstring besteht aus Begriffsblöcken. Jeder Block steht für ein Konzept deiner Forschungsfrage. Innerhalb eines Blocks verbindest du Synonyme mit OR, zwischen den Blöcken verwendest du AND.
Beispiel für die Frage, ob Prokrastination bei Studierenden mit Selbstwirksamkeit zusammenhängt:
- Block 1: procrastinat* OR "academic delay"
- Block 2: "self-efficacy" OR "self efficacy"
- Block 3: student* OR undergraduate* OR "university student*"
Zusammengesetzt: (procrastinat* OR "academic delay") AND ("self-efficacy" OR "self efficacy") AND (student* OR undergraduate*)
Drei Werkzeuge machen hier den Unterschied:
- Trunkierung mit Sternchen: procrastinat* findet procrastination, procrastinating und procrastinators.
- Phrasensuche mit Anführungszeichen: "self-efficacy" sucht die Begriffe genau in dieser Reihenfolge.
- NOT sparsam einsetzen: Mit NOT schließt du schnell relevante Treffer aus. Nutze lieber Filter für Sprache, Publikationstyp oder Altersgruppe.
Fang breit an und schränke dann ein. Wenn du mit dem ersten String 40 Treffer bekommst, ist er zu eng. Bei 8.000 Treffern fehlt meist ein Block.
Übungsfrage im Klausurstil
Du suchst in PsycInfo nach Studien zu Prüfungsangst bei Schülerinnen und Schülern. Welcher Suchstring ist am besten aufgebaut?
- Atest anxiety students
- B"test anxiety" AND (student* OR pupil* OR adolescen*)
- C"test anxiety" OR student* OR pupil*
- D"test anxiety" NOT university
- Etest AND anxiety AND students AND school AND grades AND stress
Lösung zeigen
Warum der Thesaurus bessere Treffer bringt
Freie Stichwörter suchen im Titel und Abstract. Das Problem: Autorinnen nennen dasselbe Konstrukt unterschiedlich. Die eine schreibt „burnout“, der andere „emotional exhaustion“. PsycInfo vergibt deshalb einheitliche Schlagwörter aus dem APA Thesaurus of Psychological Index Terms. PubMed macht das Gleiche mit MeSH.
So gehst du vor:
- Such einen zentralen Begriff zuerst frei.
- Öffne zwei oder drei gut passende Treffer und schau, welche Schlagwörter (Subjects oder Index Terms) vergeben wurden.
- Übernimm das passende Schlagwort in deine Suche und kombiniere es mit OR mit deinem freien Begriff.
Viele Oberflächen bieten außerdem die Option „explode“ an. Damit schließt du die untergeordneten Begriffe automatisch ein. Bei „Anxiety Disorders“ wären das etwa auch die einzelnen Angststörungen.
Wie findest du Studien, die die Suche verpasst hat?
Keine Suche ist vollständig. Ergänze sie mit der Schneeballmethode:
- Rückwärts: Lies das Literaturverzeichnis einer zentralen Studie und prüf, welche zitierten Arbeiten für dich relevant sind.
- Vorwärts: Klick bei Google Scholar oder Web of Science auf „Zitiert von“. So findest du neuere Arbeiten, die auf deiner Schlüsselstudie aufbauen.
Starte am besten bei einer aktuellen Metaanalyse oder einem systematischen Review zu deinem Thema. Dort hat jemand die Grundlagenarbeit schon gemacht, und du siehst sofort, welche Studien als zentral gelten.
Wie dokumentierst du die Recherche?
Für eine Hausarbeit reicht eine kurze Notiz. Für die Bachelorarbeit lohnt sich ein Rechercheprotokoll, weil deine Betreuung danach fragen kann und du im Methodenteil eventuell beschreiben musst, wie du Literatur ausgewählt hast. Notiere:
- Datum und Datenbank
- genauen Suchstring
- gesetzte Filter (Sprache, Jahre, Peer Review)
- Trefferzahl und wie viele du nach Titel, Abstract und Volltext behalten hast
Verwalte die Quellen von Anfang an in einem Literaturverwaltungsprogramm wie Zotero, Citavi oder EndNote. Was deine Uni lizenziert, steht auf der Seite der Bibliothek. Zotero ist kostenlos. Der Import aus PsycInfo funktioniert per RIS-Datei oder Browser-Plugin. Prüf die importierten Angaben trotzdem, weil Groß- und Kleinschreibung bei Titeln nach APA 7 oft angepasst werden muss.
Wann hast du genug Literatur?
Es gibt keine feste Zahl. Ein brauchbares Signal: Wenn neue Suchen fast nur noch Treffer bringen, die du schon kennst, bist du gesättigt. Für die meisten Bachelorarbeiten gilt außerdem:
- Der Theorieteil stützt sich auf Primärstudien und Reviews, Lehrbücher nur für Grundbegriffe.
- Die zentralen Studien zu deiner Hypothese solltest du im Volltext gelesen haben. Das Abstract allein reicht dafür nicht.
- Ältere Klassiker zitierst du für die Theorie, für den Forschungsstand brauchst du auch Arbeiten aus den letzten Jahren.
Wenn du zu einem Thema kaum etwas findest, liegt es oft am Suchbegriff und nicht am Thema. Frag in der Bibliothek nach einer Rechercheberatung. Viele Fachbibliotheken bieten das kostenlos an, und eine halbe Stunde dort spart dir oft einen Tag.
Wie du die gefundene Literatur in einen sauberen Theorieteil überführst, zeigt der Kurs Bachelorarbeit Psychologie mit Gliederung und Beispielen.
Weiterlernen
Was mit der Literatur im Methodenteil passiert, erklärt die Seite Methodenteil der Bachelorarbeit. Alles für den Abschluss in einem Paket findest du beim Abschlusspaket Bachelorarbeit. Für die Bewertung, ob eine Studie methodisch gut ist, hilft die Seite Forschungsmethoden-Klausur. Wenn du gefundene Studien besser einordnen willst, lies den Artikel Replikationskrise in der Psychologie.
Passendes Material



Häufige Fragen
Muss ich auf Englisch suchen?
Für die meisten Themen ja, weil der Großteil der psychologischen Forschung auf Englisch publiziert wird. Deutsche Begriffe ergänzt du in PSYNDEX oder wenn dein Thema einen deutschsprachigen Bezug hat.
Darf ich Google Scholar als Hauptquelle nutzen?
Als Ergänzung ist Google Scholar sehr nützlich, vor allem für die Vorwärtssuche. Als einzige Quelle ist es zu unsystematisch, weil du keine Schlagwörter und kaum Filter hast.
Was mache ich, wenn ein Volltext hinter einer Bezahlschranke liegt?
Prüf zuerst den Zugang über das Uninetz oder den VPN. Hilft das nicht, nutze die Fernleihe deiner Bibliothek oder schau, ob die Autorinnen eine frei zugängliche Version auf ihrer Website oder in einem Repositorium hinterlegt haben.
Wie alt dürfen Quellen sein?
Für Theorien und Klassiker gibt es keine Altersgrenze. Für den aktuellen Forschungsstand solltest du auch Studien aus den letzten Jahren berücksichtigen. Feste Vorgaben macht, wenn überhaupt, dein Institut.
Brauche ich ein Rechercheprotokoll?
Für eine Hausarbeit meist nicht. Für eine Bachelorarbeit ist es sinnvoll und bei systematischen Literaturarbeiten Pflicht. Es hilft dir auch, die Suche später zu wiederholen.
Stand: November 2026. Psychologie Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und mit keiner Hochschule verbunden. Verbindlich sind die Vorgaben deines Instituts und deiner Betreuung, die Studien- und Prüfungsordnung sowie das APA-Manual (7. Auflage). Datenbankzugänge hängen von den Lizenzen deiner Hochschule ab.
