Problemlösen in der Allgemeinen Psychologie: Einsicht, Heuristiken, Fixierung
Von Köhlers Schimpansen bis zum Problemlöseraum nach Newell und Simon: die wichtigsten Ansätze, Strategien und Hindernisse beim Problemlösen, wie sie in Allgemeine Psychologie II geprüft werden.
Ein Problem liegt vor, wenn ein Ausgangszustand in einen Zielzustand überführt werden soll, der Weg dorthin aber nicht direkt bekannt ist. Die Psychologie hat dazu zwei große Traditionen hervorgebracht: die Gestaltpsychologie, die Einsicht und Umstrukturierung betont, und die Informationsverarbeitung, die Problemlösen als schrittweise Suche beschreibt. In Klausuren zu Allgemeiner Psychologie II werden beide abgefragt.
Die gestaltpsychologische Sicht
Wolfgang Köhler beobachtete bei Schimpansen, dass sie Probleme manchmal plötzlich lösten, etwa indem sie Kisten stapelten, um an eine Banane zu kommen. Er sprach von Einsicht: Die Situation wird plötzlich anders wahrgenommen, die Lösung erscheint als Ganzes. Problemlösen ist aus dieser Sicht vor allem eine Umstrukturierung der Problemrepräsentation.
Hindernisse beim Problemlösen
Funktionale Fixierung
Karl Duncker zeigte mit dem Kerzenproblem, dass Menschen Gegenstände oft nur in ihrer gewohnten Funktion sehen. Die Aufgabe: eine Kerze an der Wand befestigen, mit einer Schachtel Reißzwecken und Streichhölzern. Die Lösung, die Schachtel als Halterung zu nutzen, wird seltener gefunden, wenn die Reißzwecken in der Schachtel liegen.
Einstellungseffekt
In den Umfüllaufgaben von Abraham Luchins lösten Versuchspersonen mehrere Aufgaben mit derselben komplizierten Formel. Bei späteren Aufgaben, die viel einfacher lösbar gewesen wären, blieben viele bei der gelernten Methode. Frühere Erfolge können also den Blick auf einfachere Wege verstellen.
Die Sicht der Informationsverarbeitung
Allen Newell und Herbert Simon beschrieben Problemlösen als Suche in einem Problemlöseraum. Er besteht aus dem Ausgangszustand, dem Zielzustand, allen Zwischenzuständen und den Operatoren, mit denen man von einem Zustand zum nächsten kommt. Ein klassisches Beispiel ist der Turm von Hanoi. Weil der Raum meist zu groß ist, um ihn vollständig zu durchsuchen, nutzen Menschen Heuristiken:
| Heuristik | Vorgehen | Schwäche |
|---|---|---|
| Unterschiedsreduktion (Hill Climbing) | immer den Schritt wählen, der dem Ziel am nächsten kommt | scheitert, wenn man zwischenzeitlich einen Umweg gehen muss |
| Mittel-Ziel-Analyse | größte Differenz zum Ziel bestimmen und Teilziele bilden | aufwändig bei vielen Teilzielen |
| Rückwärtsarbeiten | vom Zielzustand aus rückwärts planen | nur sinnvoll, wenn das Ziel klar definiert ist |
Problemlösen durch Analogien
Gick und Holyoak (1980) nutzten Dunckers Bestrahlungsproblem: Ein Tumor soll mit Strahlen zerstört werden, ohne das umliegende Gewebe zu schädigen. Die Lösung ist, mehrere schwache Strahlen aus verschiedenen Richtungen auf den Tumor zu bündeln. Versuchspersonen, die vorher eine Geschichte über einen General gelesen hatten, der seine Truppen aufteilt, lösten das Problem häufiger, aber vor allem dann, wenn sie einen Hinweis bekamen, die Geschichte zu nutzen. Analogien werden also oft nicht spontan erkannt.
Komplexes Problemlösen
Viele Probleme im Alltag sind komplex, vernetzt und verändern sich mit der Zeit. Dietrich Dörner untersuchte das mit computersimulierten Szenarien wie der Kleinstadt Lohhausen. Typische Fehler waren unzureichende Zielklärung, zu wenig Informationssammlung und das Übersehen von Nebenwirkungen.
Weiterlernen
Denken, Problemlösen, Sprache und Entscheiden erklärt das Skript Allgemeine Psychologie II. Im Prüfungspaket Allgemeine & Biopsychologie bekommst du es zusammen mit Allgemeiner Psychologie I und Neuropsychologie. Urteilsheuristiken und Denkfehler behandelt der Artikel Heuristiken und Denkfehler.
Häufige Fragen
Was ist funktionale Fixierung?
Die Neigung, einen Gegenstand nur in seiner gewohnten Funktion zu sehen und dadurch eine ungewöhnliche Verwendung zu übersehen.
Was ist der Unterschied zwischen Algorithmus und Heuristik?
Ein Algorithmus führt garantiert zur Lösung, kann aber sehr aufwändig sein. Eine Heuristik ist eine Faustregel, die oft schnell zum Ziel führt, aber keine Lösung garantiert.
Warum werden Analogien selten spontan genutzt?
Weil Menschen eher auf oberflächliche Ähnlichkeiten achten als auf die gemeinsame Struktur zweier Probleme. Ein Hinweis auf die Analogie erhöht die Lösungsrate deutlich.
Häufige Fragen
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