Welch-Test oder Student-t-Test: Wann nimmst du welchen?

Für zwei unabhängige Gruppen ist der Welch-Test meist die bessere Wahl. Ein Rechenbeispiel zeigt, wann der klassische t-Test mit gepoolter Varianz zu optimistisch ist.

PH
Psychologie Helden Redaktion
Psycholog:innen & Lehrende
Welch-Test oder Student-t-Test: Wann nimmst du welchen? – Statistik & Methoden im Psychologie-Studium

Wenn du zwei unabhängige Gruppen vergleichst, ist der Welch-Test in den meisten psychologischen Studien die bessere Standardwahl. Der klassische Student-t-Test verlangt gleiche Varianzen in beiden Populationen, der Welch-Test nicht, und er verliert fast nichts, wenn die Varianzen doch gleich sind. Den Student-Test brauchst du heute vor allem dann, wenn deine Lehrveranstaltung ihn ausdrücklich verlangt oder die Gleichheit der Varianzen inhaltlich gut begründet ist. Unten rechnen wir beide Varianten an einem Datensatz durch, damit du siehst, wann der Unterschied zählt.

Was unterscheidet den Welch-Test vom klassischen t-Test?

Beide Tests vergleichen zwei Mittelwerte und teilen ihre Differenz durch einen Standardfehler. Der Unterschied steckt allein im Nenner und in den Freiheitsgraden.

Der Student-Test schätzt eine gemeinsame Varianz für beide Gruppen. Er gewichtet die Gruppenvarianzen dabei nach ihren Freiheitsgraden:

sp² = [(n1 − 1) · s1² + (n2 − 1) · s2²] / (n1 + n2 − 2)
SE = √[sp² · (1/n1 + 1/n2)], df = n1 + n2 − 2

Der Welch-Test lässt jede Gruppe ihre eigene Varianz behalten. Für den Standardfehler addierst du die beiden Varianzanteile und ziehst dann die Wurzel:

SE = √(s1²/n1 + s2²/n2)

Die Freiheitsgrade schätzt du mit der Welch-Satterthwaite-Formel. Mit a = s1²/n1 und b = s2²/n2 gilt df = (a + b)² / [a²/(n1 − 1) + b²/(n2 − 1)]. Das Ergebnis liegt immer zwischen der kleineren Gruppengröße minus eins und n1 + n2 − 2.

Wie rechnest du den Welch-Test Schritt für Schritt?

Ein konstruiertes Beispiel: Acht Studierende lernen Fachbegriffe mit einer Karteikarten-App (Gruppe A), zwölf mit dem Lehrbuch (Gruppe B). Danach schreiben alle denselben Test mit maximal 30 Punkten. In der App-Gruppe gibt es einige sehr gute und einige schwache Ergebnisse, die Lehrbuchgruppe liegt eng beieinander.

Gruppe n M s s² s²/n
A: App 8 21,00 6,46 41,71 5,214
B: Lehrbuch 12 16,17 1,27 1,61 0,134

Schritt 1, Differenz: MA − MB = 21,00 − 16,17 = 4,83 Punkte.

Schritt 2, Standardfehler: SE = √(5,214 + 0,134) = √5,348 = 2,31. Fast die gesamte Unsicherheit stammt aus Gruppe A.

Schritt 3, Teststatistik: t = 4,83 / 2,31 = 2,09.

Schritt 4, Freiheitsgrade: df = 5,348² / (5,214²/7 + 0,134²/11) = 28,60 / 3,885 = 7,36. Das ist knapp über dem Minimum von 7, weil die kleine Gruppe die Unsicherheit bestimmt.

Schritt 5, Entscheidung und Intervall: Bei df = 7,36 liegt der zweiseitige p-Wert bei 0,073. Das 95-%-Intervall reicht von −0,58 bis 10,25 Punkten. Die Null liegt darin, ein Unterschied ist bei α = 0,05 nicht nachgewiesen.

Rechnest du denselben Datensatz mit gepoolter Varianz, sieht das Bild anders aus:

Kennwert Student-t-Test Welch-t-Test
Varianzschätzung gemeinsam: sp² = 17,20 getrennt: 41,71 und 1,61
Standardfehler 1,89 2,31
t 2,55 2,09
df 18 7,36
p (zweiseitig) 0,020 0,073
95-%-Intervall 0,86 bis 8,81 −0,58 bis 10,25

Der Student-Test meldet ein signifikantes Ergebnis, der Welch-Test nicht. Der Grund: Die gepoolte Varianz von 17,20 liegt weit unter der Varianz der App-Gruppe von 41,71, weil die zwölf Lehrbuchwerte mit ihrem größeren Gewicht die Schätzung nach unten ziehen. Für den Mittelwert der App-Gruppe wird die Unsicherheit damit unterschätzt. Zusätzlich rechnet der Student-Test mit 18 Freiheitsgraden, obwohl die Information über die entscheidende Varianz aus nur acht Personen stammt.

Wichtig ist die Kombination: Problematisch wird es, wenn die kleinere Gruppe die größere Varianz hat. Dann wird der Student-Test zu liberal. Liegt die große Varianz in der großen Gruppe, wird er zu konservativ. Bei gleich großen Gruppen fallen beide Tests meist sehr ähnlich aus.

Wenn du die Testwahl an vielen kleinen Fällen üben willst, hilft dir das Studienheft Welcher t-Test passt zu meiner Studie?. Es führt in 15 Lernstationen vom Einstichproben-Test über gepaarte Daten bis zum Welch-Test, jeweils mit durchgerechnetem Beispiel, einem Rechenexperiment, einer neuen Fallaufgabe und einer kommentierten Prüfungsfrage. Am Ende stehen eine Rechenkarte und R-Code zum Nachrechnen.

Solltest du vorher einen Levene-Test rechnen?

Viele Skripte empfehlen noch den Weg „erst Levene-Test, dann je nach Ergebnis Student oder Welch“. Dieses zweistufige Vorgehen hat zwei Schwächen. Erstens hat der Levene-Test in kleinen Stichproben wenig Teststärke. Er übersieht deutliche Varianzunterschiede gerade dann, wenn sie dem Student-Test am meisten schaden. Zweitens beweist ein nicht signifikanter Levene-Test keine gleichen Varianzen. Er zeigt nur, dass die Daten keinen Unterschied nachweisen konnten.

Dazu kommt ein methodisches Problem: Wenn das Ergebnis eines Vortests bestimmt, welcher Haupttest gerechnet wird, stimmen die nominalen Fehlerwahrscheinlichkeiten des Haupttests nicht mehr genau. Delacre, Lakens und Leys (2017) haben deshalb vorgeschlagen, den Welch-Test von vornherein als Standard zu verwenden. Leg die Wahl vor der Auswertung fest und schreib sie in den Methodenteil oder die Präregistrierung.

Wenn deine Klausur trotzdem den Levene-Test abfragt, lerne ihn. Rechne ihn dann als Beschreibung der Daten und nicht als Weiche für deine inhaltliche Schlussfolgerung.

Wann ist der Welch-Test nicht die richtige Wahl?

Welch löst genau ein Problem, nämlich ungleiche Varianzen bei unabhängigen Gruppen. Andere Probleme bleiben bestehen:

  • Verbundene Messungen: Wenn dieselben Personen zweimal gemessen werden, rechnest du einen gepaarten t-Test über die Differenzen. Welch würde die Abhängigkeit ignorieren.
  • Geclusterte Daten: Werden ganze Seminare oder Schulklassen einer Bedingung zugeteilt, sind die Einzelpersonen nicht unabhängig. Dann ist das Seminar die Analyseeinheit oder du brauchst ein Mehrebenenmodell.
  • Sehr kleine, stark schiefe Gruppen: Der Welch-Test setzt wie jeder t-Test annähernd normalverteilte Mittelwerte voraus. Bei wenigen, stark schiefen Werten kommen robuste oder nichtparametrische Verfahren infrage.
  • Mehr als zwei Gruppen: Hier wäre die Welch-ANOVA das passende Gegenstück.

Die Entscheidung beginnt also bei der Frage, wie die Daten entstanden sind. Erst wenn feststeht, dass zwei getrennte Gruppen mit je einem Wert pro Person vorliegen, stellt sich die Frage Student oder Welch.

Übungsfrage im Klausurstil

In einer Studie hat Gruppe A 10 Personen und eine Standardabweichung von 12 Punkten, Gruppe B hat 40 Personen und eine Standardabweichung von 3 Punkten. Der klassische t-Test mit gepoolter Varianz ergibt p = 0,03, der Welch-Test p = 0,09. Welche Aussage trifft zu?

  • ADer klassische Test ist vorzuziehen, weil er mehr Freiheitsgrade und damit mehr Teststärke hat.
  • BDer Welch-Test ist hier vertrauenswürdiger, weil die gepoolte Varianz die Unsicherheit des Mittelwerts von Gruppe A unterschätzt.
  • CMan sollte zuerst einen Levene-Test rechnen und nur bei signifikantem Ergebnis Welch berichten.
  • DBeide p-Werte sind gleichwertig, man darf den kleineren berichten.
  • EBei so unterschiedlichen Gruppengrößen ist ein gepaarter t-Test angemessen.
Lösung zeigen
Richtig ist B. Die kleine Gruppe streut stark, die große kaum. Beim Poolen dominiert die große Gruppe die gemeinsame Varianz, also wird der Standardfehler zu klein und t zu groß. Antwort A ist verlockend, weil mehr Freiheitsgrade nach mehr Präzision klingen. Die zusätzliche Teststärke beruht hier aber auf einer falschen Annahme und erhöht vor allem das Risiko eines Fehlers erster Art. C beschreibt ein zweistufiges Vorgehen, das selbst Fehler einführt, D wäre selektives Berichten, und E passt nur zu verbundenen Messungen.

Wie berichtest du einen Welch-Test im Ergebnisteil?

Nenne die Richtung der Differenz, die Gruppenkennwerte, die Teststatistik mit den gebrochenen Freiheitsgraden, den p-Wert und das Intervall. Für unser Beispiel könnte der Satz so lauten:

Die App-Gruppe erreichte im Mittel 21,00 Punkte (SD = 6,46), die Lehrbuchgruppe 16,17 Punkte (SD = 1,27). Der Welch-t-Test ergab keinen signifikanten Unterschied, t(7,36) = 2,09, p = 0,073, 95-%-KI [−0,58; 10,25].

Ergänze im Methodenteil einen Satz wie „Gruppenunterschiede wurden mit dem Welch-t-Test geprüft, der keine gleichen Varianzen voraussetzt.“ Ob du Dezimalkomma oder Dezimalpunkt verwendest und wie du den p-Wert schreibst, richtet sich nach den Vorgaben deines Instituts. Eine Effektstärke wie Cohens d gehört ebenfalls dazu. Gib dann an, welche Standardabweichung du als Nenner verwendet hast, denn bei ungleichen Varianzen gibt es dafür mehrere Möglichkeiten.

Weiterlernen

Passendes Material

Titelbild Welcher t-Test passt zu meiner Studie?
Welcher t-Test passt zu meiner Studie?
15 Lernstationen mit Rechenexperimenten, Prüfungsfragen, Rechenkarte und R-Code.
29,90 €Ansehen
Statistik im Psychologie-Bachelor lernen
Wenn du neben dem t-Test das ganze Statistikfach für die Klausur wiederholen willst.
49,90 €Ansehen

Häufige Fragen

Ist der Welch-Test ein nichtparametrisches Verfahren?

Nein. Der Welch-Test ist ein parametrischer t-Test. Er verzichtet nur auf die Annahme gleicher Varianzen, setzt aber weiterhin unabhängige Beobachtungen und bei kleinen Gruppen annähernd normalverteilte Werte voraus.

Warum hat der Welch-Test Freiheitsgrade mit Nachkommastellen?

Die Freiheitsgrade werden mit der Welch-Satterthwaite-Näherung aus den beiden Varianzanteilen geschätzt. Dabei kommt fast nie eine ganze Zahl heraus. Du berichtest den Wert gerundet auf zwei Stellen, zum Beispiel t(7,36).

Wo finde ich den Welch-Test in SPSS und R?

In SPSS steht er im Output des t-Tests für unabhängige Stichproben in der Zeile „Varianzen sind nicht gleich“. In R rechnet t.test für zwei Gruppen ohne weitere Angabe bereits den Welch-Test, weil var.equal standardmäßig FALSE ist.

Verliere ich Teststärke, wenn ich Welch nehme, obwohl die Varianzen gleich sind?

Kaum. Bei gleichen Varianzen und ähnlich großen Gruppen liefern beide Tests nahezu dieselben Ergebnisse. Der kleine Verlust an Freiheitsgraden fällt praktisch nicht ins Gewicht, der Schutz bei ungleichen Varianzen dagegen schon.

Gilt das auch für mehr als zwei Gruppen?

Das Prinzip ja. Für mehrere unabhängige Gruppen mit ungleichen Varianzen gibt es die Welch-ANOVA, die ebenfalls ohne gemeinsame Varianzschätzung auskommt. Für Paarvergleiche danach eignen sich Verfahren wie Games-Howell.

Stand: November 2026. Psychologie Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und mit keiner Hochschule verbunden. Verbindlich sind die Studien- und Prüfungsordnung deines Studiengangs und die Vorgaben deiner Lehrenden.

Mehr zu Statistik & Methoden?Statistik I & II mit vollständigen Rechenwegen, Übungsaufgaben und Lösungen – von deskriptiver Statistik bis Regression.
Zum Statistik-Kurs →
PH
Über den Autor
Psychologie Helden Redaktion
Psycholog:innen & Lehrende

Hinter Psychologie Helden stehen Menschen, die dieselben Klausuren geschrieben haben: Statistik im ersten Semester, Diagnostik im dritten, die Abschlussarbeit am Ende. Daraus entstehen Lernskripte, die nicht alles abbilden, sondern das, was geprüft wird – mit Übungsaufgaben, Lösungswegen und Fallbeispielen. Alle Inhalte werden fachlich geprüft und angepasst, wenn sich Klassifikationen wie ICD-11 oder Methodenstandards ändern.

Statistik & Methoden Diagnostik Klinische Psychologie Thesis-Begleitung
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Für Bachelor- und Masterstudiengänge der Psychologie an Universitäten, Fachhochschulen und im Fernstudium – in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Abgedeckt sind die Module, die praktisch überall geprüft werden: Statistik und Methodenlehre, Allgemeine, Biologische, Entwicklungs-, Sozial- und Persönlichkeitspsychologie, Diagnostik sowie Klinische und A&O-Psychologie.

Auch Studierende benachbarter Fächer wie Pädagogik, Lehramt oder Gesundheitswissenschaften nutzen einzelne Kurse für psychologische Grundlagenmodule.

Ein Kurs enthält in der Regel:

  • Ein strukturiertes Lernskript zum kompletten Modul
  • Übungsaufgaben mit Lösungen, bei Statistik mit vollständigem Rechenweg
  • Fallbeispiele und Vignetten für Diagnostik und Klinik
  • Merksätze und Zusammenfassungen für die letzte Woche vor der Klausur

Alles als PDF, sofort nach dem Kauf verfügbar, dauerhaft nutzbar.

Faustregel: Ab drei bis vier Modulen rechnet sich das Paket. Einzelkurse liegen zwischen 24,99 € und 49,90 €. Das Bachelor-Komplettpaket kostet 129,90 €, die Premium-Variante mit Bachelorarbeit-Kurs und Berufsvorbereitung 179,90 €. Für den Master liegt das Komplettpaket bei 149,90 €, die Premium-Version mit Thesis-Guide bei 189,90 €.

Nein, sie verdichten. Für die Wissensabfrage in Modulklausuren reichen die Skripte in der Regel aus, weil sie Definitionen, Modelle, zentrale Studien und typische Prüfungsfragen bündeln. Für Hausarbeiten, Seminarbeiträge und die Abschlussarbeit brauchst du weiterhin Primärliteratur – wie du die findest und zitierst, steht im Bachelorarbeit- beziehungsweise Thesis-Kurs.

Klinische Inhalte arbeiten mit ICD-11 und DSM-5-TR, Statistik mit R und SPSS, Zitation nach APA 7. Ändern sich Klassifikationen oder Standards, werden die Skripte angepasst – Updates sind für alle Käufer kostenlos.

Die Kurse sind für den persönlichen Gebrauch lizenziert. Du darfst sie beliebig oft für dein eigenes Lernen nutzen und ausdrucken. Die Weitergabe der Dateien oder das Hochladen in Lernplattformen und Cloud-Ordner ist nicht gestattet. Für Fachschaften und Lerngruppen gibt es auf Anfrage vergünstigte Sammelbestellungen.

Weiterlesen

Das könnte dich auch interessieren

Diskussion

Kommentare

Noch keine Kommentare – trau dich gern, die erste Frage zu stellen.

Deine Frage oder Anmerkung

Auch zum Newsletter anmelden? Lernpläne, neue Module und 10 % auf den ersten Kurs – nach Bestätigung deiner E-Mail.

Bitte alle Pflichtfelder ausfüllen und der Veröffentlichung zustimmen.

Danke für deinen Kommentar

Er ist jetzt veröffentlicht.

10 % Willkommensrabatt

Lernpläne für dein Postfach

Ja, gerne, E-Mail bestätigen, Rabattcode erhalten. Danach ein bis zwei Mails im Monat mit Prüfungstipps und neuen Kursen – jederzeit abbestellbar.

Bitte Vorname, E-Mail und Zustimmung ergänzen.

DSGVO-konform · Double Opt-in · kein Spam

Fast geschafft

1Postfach öffnenDie Bestätigungsmail kommt von psychologie-helden.com.
2Link bestätigenErst danach ist die Anmeldung aktiv.
3Code erhaltenDer 10-%-Rabattcode kommt automatisch.
Keine Mail da?Sieh im Spam- oder Werbung-Ordner nach und markiere die Nachricht als „Kein Spam“.