Altklausuren sind das beste Messinstrument, das du in der Klausurphase hast, aber ein schlechtes Lernmaterial. Wer sie auswendig lernt, kennt danach die Antworten auf die Fragen von 2023 und wenig mehr. Rechne die erste Altklausur früh als Diagnose, werte jeden Fehler nach seiner Ursache aus und heb dir mindestens eine Klausur für einen echten Probelauf in der letzten Woche auf. Wie das konkret aussieht, steht unten.
Wann solltest du mit Altklausuren anfangen?
Früher als die meisten denken. Viele heben sich die Altklausuren für die letzten Tage auf, weil sie erst „alles können“ wollen. Dann ist es zu spät, um auf das zu reagieren, was die Klausur zeigt. Sinnvoll ist ein Rhythmus in drei Stufen:
| Zeitpunkt | Wozu | Wie |
|---|---|---|
| 5 bis 6 Wochen vorher | Format und Niveau kennenlernen | Eine Klausur nur lesen, nicht lösen. Notieren: Welche Themen, welche Fragetypen, wie viel Rechnen? |
| 3 bis 4 Wochen vorher | Diagnose | Eine Klausur offen lösen, mit Skript daneben erlaubt. Jeder Blick ins Skript wird markiert. |
| Letzte 7 bis 10 Tage | Probelauf | Eine unbekannte Klausur unter echten Bedingungen: Zeitlimit, ohne Hilfsmittel, am Schreibtisch statt im Bett. |
Die Lese-Runde in Woche fünf oder sechs dauert eine halbe Stunde und verändert oft den ganzen Lernplan. Wenn du siehst, dass in der Statistik-Klausur die Hälfte der Punkte auf Interpretationsfragen entfällt, lernst du anders, als wenn du nur Formeln erwartest.
Woher bekommst du Altklausuren, und welche sind brauchbar?
Die Quellen unterscheiden sich je nach Hochschule. Häufige Wege sind Probeklausuren, die Lehrende selbst im Lernportal hochladen, Sammlungen der Fachschaft oder Studienvertretung und Gedächtnisprotokolle, die Studierende nach der Prüfung aufschreiben. In Österreich laufen solche Sammlungen meist über die Studienvertretung der ÖH, an der FernUni Hagen eher über Probeklausuren und Übungsaufgaben in Moodle und über studentische Lerngruppen.
Prüfe bei jeder Quelle zwei Dinge. Erstens, ob die Klausur noch zum aktuellen Stoff passt. Wenn die Lehrperson gewechselt hat oder das Curriculum neu ist, kann sich der Schwerpunkt deutlich verschoben haben. Zweitens, ob es eine Lösung gibt, und wer sie geschrieben hat. Inoffizielle Lösungen in Fachschaftsordnern sind oft an einzelnen Stellen falsch. Wenn deine Lösung abweicht, ist das ein Anlass nachzuschlagen, kein Beweis, dass du falsch liegst.
Gedächtnisprotokolle sind nützlich für die Themenauswahl, aber ungenau im Wortlaut. Gerade bei Multiple-Choice-Fragen entscheidet oft ein einziges Wort, und das ist im Protokoll selten korrekt erinnert.
Wie wertest du eine Altklausur richtig aus?
Hier liegt der eigentliche Nutzen. Eine Punktzahl allein sagt dir wenig. Wichtig ist, warum du Punkte verloren hast. Sortiere jeden Fehler in eine von vier Kategorien:
- Wissenslücke: Du kanntest den Begriff, das Modell oder die Studie nicht. Lösung: Thema im Skript nacharbeiten und eine Abruffrage dazu anlegen.
- Verwechslung: Du kanntest beide Konzepte, hast sie aber vertauscht, etwa negative Verstärkung und Bestrafung. Lösung: eine Gegenüberstellung mit Beispiel für beide Seiten.
- Anwendungsfehler: Du kanntest die Definition, hast sie im Fallbeispiel aber nicht wiedererkannt. Lösung: mehr Aufgaben mit Fällen, weniger Definitionen.
- Lese- oder Zeitfehler: Du hast die Frage falsch gelesen oder warst nicht fertig. Lösung: Probelauf mit Uhr, Operatoren unterstreichen.
Leg dafür eine einfache Fehlerliste an: Datum, Aufgabe, Kategorie, ein Satz zur richtigen Lösung. Nach zwei Klausuren siehst du ein Muster. Wer vor allem in Kategorie 3 verliert, braucht keine weiteren Lesestunden, sondern Übungsaufgaben.
Übungsfrage im Klausurstil
Lena hat zwei Altklausuren Allgemeine Psychologie gerechnet. In beiden verliert sie die meisten Punkte bei Aufgaben, in denen ein Alltagsbeispiel beschrieben wird und sie das passende Konzept nennen soll. Definitionen kann sie fehlerfrei aufsagen. Was ist der sinnvollste nächste Schritt?
- ADie Definitionen noch einmal auf Karteikarten schreiben und täglich wiederholen
- BBeide Altklausuren so oft rechnen, bis sie fehlerfrei sind
- CGezielt Aufgaben mit Fallbeispielen üben und zu jedem Konzept eigene Beispiele formulieren
- DDas Skript vollständig noch einmal lesen
- EAuf Gedächtnisprotokolle wechseln, weil die Altklausuren veraltet sein könnten
Lösung zeigen
Wie oft solltest du dieselbe Altklausur rechnen?
Eine Klausur, die du zum dritten Mal löst, misst vor allem dein Gedächtnis für diese Klausur. Das fühlt sich gut an, sagt aber wenig über die echte Prüfung. Rechne deshalb jede Klausur einmal vollständig. Danach wiederholst du nur die Aufgaben, die in deiner Fehlerliste stehen, und zwar mit Abstand: einmal nach zwei bis drei Tagen, einmal nach einer Woche.
Wenn du nur eine oder zwei Altklausuren hast, schreib dir zu jeder Aufgabe eine Variante. Ändere die Zahlen in einer Rechenaufgabe, dreh in einer MC-Frage die Aussage um oder ersetze das Fallbeispiel durch ein eigenes. So trainierst du das Prinzip und nicht die konkrete Aufgabe.
Ein Sonderfall ist der Probelauf. Für ihn brauchst du eine Klausur, die du noch nicht kennst. Wenn du insgesamt nur drei hast, rührst du die dritte bis zur letzten Woche nicht an, auch nicht zum kurzen Reinschauen. Sonst misst der Probelauf nicht mehr, wo du wirklich stehst, und genau diese ehrliche Rückmeldung brauchst du wenige Tage vor der Prüfung.
Wenn dir für ein Fach Übungsmaterial fehlt: Das Premium Komplettpaket Psychologie-Bachelor mit Zusatzkursen enthält zu allen Bachelor-Fächern typische Prüfungsaufgaben in drei Anforderungsbereichen mit Lösungen, also genau die Art Aufgaben, mit denen du Fehler nach Kategorien sortieren kannst.
Was tun, wenn es keine Altklausuren gibt?
Das ist häufiger, als man denkt, vor allem bei neuen Modulen oder Lehrenden, die Klausuren nicht herausgeben. Dann baust du dir das Material selbst:
- Lies die Lernziele in der Modulbeschreibung und formuliere zu jedem eine Prüfungsfrage.
- Achte auf Sätze in der Vorlesung wie „das ist wichtig“ oder „das sollten Sie unterscheiden können“ und mach daraus Fragen.
- Nutze Übungsaufgaben aus Lehrbüchern und Skripten. Aufgaben mit Lösungen und unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen ersetzen keine Altklausur, kommen ihr aber nahe.
- Tauscht in der Lerngruppe selbst geschriebene Fragen. Fremde Fragen sind schwerer als eigene, und genau das brauchst du.
Weiterlernen
Für die Fächer, die im Januar und Februar am häufigsten anstehen, gibt es eigene Seiten mit Lernplan: Statistik-Klausur, Allgemeine Psychologie und Klinische Psychologie. Wie du die Altklausuren in einen Gesamtplan einbaust, zeigt der Beitrag Klausurphase im Psychologie-Bachelor: Lernplan für 6 Wochen.
Passendes Material



Häufige Fragen
Darf ich Altklausuren überhaupt verwenden?
Das hängt davon ab, wie die Klausuren in Umlauf gekommen sind. Probeklausuren, die Lehrende selbst hochladen, sind ausdrücklich zum Üben gedacht. Bei Fotos von Originalklausuren gelten die Regeln deiner Hochschule. Im Zweifel fragst du bei der Fachschaft oder Studienvertretung nach.
Wie viele Altklausuren brauche ich für eine gute Vorbereitung?
Drei sind ein guter Wert: eine zum Kennenlernen, eine zur Diagnose, eine als Probelauf. Mehr ist hilfreich, wenn du sie auswertest. Zehn Klausuren ohne Fehlerliste bringen weniger als zwei mit sauberer Auswertung.
Kommen in der Klausur dieselben Fragen wie in den Altklausuren?
Manchmal tauchen einzelne Fragen wieder auf, verlassen solltest du dich darauf nicht. Lehrende ändern Formulierungen, Zahlen und Fallbeispiele. Wer nur Antworten auswendig gelernt hat, scheitert genau daran.
Was mache ich, wenn ich bei der ersten Altklausur sehr schlecht abschneide?
Das ist bei einer Diagnose-Klausur drei oder vier Wochen vorher normal und eher eine gute Nachricht, weil du noch reagieren kannst. Werte die Fehler nach Kategorien aus und plane die nächsten zwei Wochen nach dem Muster, das du siehst.
Sollte ich Altklausuren allein oder in der Lerngruppe rechnen?
Den Probelauf allein und unter Zeitdruck. Die Auswertung kann gut in der Gruppe passieren, weil andere oft schneller sehen, warum eine Antwort falsch war.
Stand: November 2026. Psychologie Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und mit keiner Hochschule verbunden. Verbindlich sind die Studien- und Prüfungsordnung bzw. das Curriculum deiner Hochschule und die Vorgaben deines Instituts.
