Psychologie BachelorKlinische PsychologieICD-11 und DSM-5-TR
In der Klausur Klinische Psychologie kommen vier Bereiche zusammen: wie Störungen entstehen, wie man sie klassifiziert, wie man sie diagnostisch absichert und wie sie behandelt werden. Hier siehst du, was in jedem Bereich gefragt wird und wie du die Wochen bis zur Prüfung aufteilst.
Kurz beantwortet
Die meisten Punkte in der Klinik-Klausur hängen an Klassifikation und Fallvignetten: Du musst Kriterien einer Störung kennen, sie von ähnlichen Bildern abgrenzen und begründen, welches Verfahren evidenzbasiert passt. Wer die Unterschiede zwischen ICD-11 und DSM-5-TR sicher beherrscht und Störungsmodelle wie das Vulnerabilitäts-Stress-Modell auf Fälle anwenden kann, hat den Kern abgedeckt.
Was wird in der Klausur Klinische Psychologie geprüft?
Seit der Reform des Psychotherapeutengesetzes 2020 hat der klinische Anteil im Bachelor deutlich mehr Gewicht, vor allem in polyvalenten Studiengängen. Welche Störungsbilder genau drankommen, legt dein Institut fest. Die Struktur ist aber fast überall gleich und lässt sich in vier Blöcke teilen.
Block
Was du können musst
Typische Aufgabe
Störungsmodelle
Vulnerabilitäts-Stress-Modell, lerntheoretische und kognitive Modelle, biopsychosoziale Sicht
Entstehung einer Angststörung mit dem Zwei-Faktoren-Modell erklären
Klassifikation
Aufbau von ICD-11 und DSM-5-TR, Kriterien zentraler Störungen, Unterschiede zwischen den Systemen
Welche Diagnose gibt es in ICD-11, aber nicht im DSM?
Diagnostik
Strukturierte Interviews wie das SKID, Fragebögen, Gütekriterien, Differenzialdiagnose
Für einen Fall das passende Instrument wählen und begründen
Verfahren
Kognitive Verhaltenstherapie, psychodynamische und systemische Verfahren, Wirkfaktoren, Evidenz
Welche Behandlung ist bei einer Panikstörung leitliniengerecht?
Welche Störungsmodelle solltest du erklären können?
Störungsmodelle sind in der Klausur selten reine Definitionsfragen. Meist sollst du ein Modell auf einen kurzen Fall anwenden. Diese vier tauchen besonders häufig auf:
Vulnerabilitäts-Stress-Modell: Eine Störung entsteht, wenn eine Anfälligkeit (genetisch, biografisch, kognitiv) auf Belastungen trifft, die die Bewältigungsmöglichkeiten übersteigen. Es ist das Rahmenmodell, auf das sich viele andere Erklärungen beziehen.
Zwei-Faktoren-Theorie nach Mowrer: Angst wird klassisch konditioniert erworben und durch Vermeidung operant aufrechterhalten. Daraus leitet sich ab, warum Exposition wirkt.
Kognitives Modell der Depression nach Beck: negative Sicht auf sich selbst, die Welt und die Zukunft (kognitive Triade), dazu dysfunktionale Grundannahmen und Denkfehler.
Biopsychosoziales Modell: biologische, psychische und soziale Faktoren wirken zusammen. Gut geeignet, um in offenen Fragen eine Fallkonzeption zu gliedern.
ICD-11 oder DSM-5-TR: was musst du für die Klausur wissen?
Die ICD-11 der WHO ist seit dem 11. Februar 2022 in Kraft. In Deutschland wird im Versorgungsalltag aber weiterhin mit der ICD-10-GM kodiert, und nach Angaben des BfArM wird die Einführung der ICD-11 für die Morbiditätskodierung mehrere Jahre dauern. Das DSM-5-TR der American Psychiatric Association ist im März 2022 erschienen. Viele Lehrbücher und Klausuren arbeiten deshalb mit beiden Systemen und fragen gezielt nach den Unterschieden. Eine ausführliche Gegenüberstellung findest du im Artikel ICD-11 und DSM-5 im Vergleich.
Punkt
ICD-11
DSM-5-TR
Herausgeber
WHO, weltweite Klassifikation aller Krankheiten
American Psychiatric Association, nur psychische Störungen
Persönlichkeitsstörungen
Dimensional: Schweregrad plus Merkmalsdomänen, optional Borderline-Muster
Zehn kategoriale Typen, alternatives Modell im Anhang (Sektion III)
Traumafolgen
Komplexe PTBS als eigene Diagnose
Keine eigene Diagnose der komplexen PTBS
Trauer
Anhaltende Trauerstörung
Prolonged Grief Disorder, mit dem DSM-5-TR neu aufgenommen
Einsatz in Deutschland
Versorgung kodiert noch nach ICD-10-GM
Vor allem in Forschung und Lehre
Wie gehst du mit Fallvignetten um?
Fallvignetten sind kurze Fallbeschreibungen, zu denen du eine Diagnose stellen, ein Instrument wählen oder ein Vorgehen begründen sollst. Mit einer festen Reihenfolge sparst du Zeit und übersiehst weniger:
Symptome markieren und nach Bereichen ordnen: Stimmung, Angst, Denken, Verhalten, Körper.
Dauer und Beeinträchtigung prüfen. Viele Kriterien hängen an Zeitangaben wie zwei Wochen oder sechs Monaten.
Ausschlüsse klären: Substanzen, körperliche Ursachen, eine andere Störung, die das Bild besser erklärt.
Die wahrscheinlichste Diagnose benennen und eine Alternative begründet ausschließen.
Instrument und Behandlungsansatz nennen, jeweils mit einem Satz Begründung.
Wie sieht ein Lernplan für die Klinik-Klausur aus?
Der Plan geht von fünf Wochen aus. Hast du mehr Zeit, verlängerst du die Phase mit den Störungsbildern.
Woche 1Klassifikation und Diagnostik: Aufbau von ICD-11 und DSM-5-TR, strukturierte Interviews, Gütekriterien. Eine Tabelle mit den wichtigsten Systemunterschieden anlegen.
Woche 2Affektive Störungen, Angst- und Zwangsstörungen. Zu jeder Störung Kernkriterien, Zeitkriterium und eine Abgrenzung notieren.
Woche 4Störungsmodelle und Verfahren: Vulnerabilitäts-Stress-Modell, lerntheoretische und kognitive Modelle, KVT, psychodynamische und systemische Ansätze, Wirkfaktoren.
Woche 5Fallvignetten und Altklausuren unter Zeitdruck. Fehler nach den vier Blöcken der Tabelle oben sortieren.
Wo gehen in der Klinik-Klausur die meisten Punkte verloren?
Zeitkriterien übersehen: eine Diagnose gestellt, obwohl die geforderte Dauer im Fall nicht erreicht ist.
ICD und DSM vermischt: Kriterien aus dem einen System auf eine Frage zum anderen angewendet.
Ausschlüsse vergessen: Substanzkonsum oder körperliche Ursachen im Fall nicht geprüft.
Modell nur genannt: das Vulnerabilitäts-Stress-Modell erwähnt, aber nicht auf die Angaben im Fall bezogen.
Verfahren ohne Begründung: eine Therapieform genannt, ohne zu sagen, warum sie bei dieser Störung empfohlen wird.
Passendes Lernmaterial
Paket
Prüfungspaket Klinische Psychologie
Wenn Störungsbilder, Diagnostik und Therapie in derselben Klausur geprüft werden.
Muss ich für die Klausur ICD-10 oder ICD-11 lernen?
Das entscheidet dein Institut. Die WHO hat die ICD-11 2022 in Kraft gesetzt, in der deutschen Versorgung wird aber noch nach ICD-10-GM kodiert. Viele Lehrende prüfen deshalb die ICD-11 und die wichtigsten Unterschiede zur ICD-10. Schau in die Folien oder frag nach, welche Version Grundlage ist.
Wie wichtig ist das DSM-5-TR im deutschen Studium?
Das DSM ist in der Forschung und in vielen Lehrbüchern verbreitet. In Klausuren wird es oft im Vergleich zur ICD abgefragt, etwa bei Persönlichkeitsstörungen oder der komplexen PTBS.
Muss ich alle Diagnosekriterien auswendig können?
Für die zentralen Störungen solltest du Kernsymptome, Zeitkriterien und typische Abgrenzungen sicher können. Seltene Störungsbilder werden meist nur im Überblick geprüft.
Wie lange sollte ich für die Klinik-Klausur lernen?
Fünf bis sechs Wochen mit regelmäßigem Üben an Fallvignetten reichen den meisten. Die letzte Woche sollte für Altklausuren reserviert sein.
Hilft die Klausur für den klinischen Master?
Ja, der Stoff ist die Grundlage für den Master Klinische Psychologie und Psychotherapie. Dort werden Verfahren und Wirksamkeit deutlich vertieft.
In welchem Format bekomme ich das Material?
Als digitalen Download direkt nach dem Kauf, nutzbar auf Laptop, Tablet und Smartphone.
Stand: November 2026. Psychologie Helden ist ein unabhängiges Lernangebot. Verbindlich sind die Studien- und Prüfungsordnung deiner Hochschule und die Angaben deines Instituts.