Angststörungen im Überblick: Einteilung, Modelle und Behandlung
Panikstörung, Agoraphobie, soziale Angst, spezifische Phobie und generalisierte Angststörung: wie die ICD-11 Angststörungen einteilt, welche Erklärungsmodelle in Klausuren gefragt werden und warum Exposition so wichtig ist.
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen und sind ein fester Bestandteil jeder Klausur in Klinischer Psychologie. Typische Aufgaben verlangen, Störungsbilder voneinander abzugrenzen, ein Erklärungsmodell darzustellen und daraus die Behandlung abzuleiten. Angst ist dabei nicht das Problem an sich, sondern ihre Intensität, Dauer und die Vermeidung, die sie auslöst.
Einteilung in der ICD-11
Die ICD-11 fasst im Kapitel der Angst- und furchtbezogenen Störungen unter anderem diese Diagnosen zusammen:
| Störung | Kernmerkmal |
|---|---|
| Generalisierte Angststörung | anhaltende, schwer kontrollierbare Sorgen über verschiedene Lebensbereiche |
| Panikstörung | wiederkehrende, unerwartete Panikattacken und Angst vor weiteren Attacken |
| Agoraphobie | Angst vor Situationen, aus denen Flucht schwierig oder Hilfe nicht erreichbar wäre |
| Spezifische Phobie | ausgeprägte Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer Situation |
| Soziale Angststörung | Angst vor negativer Bewertung in sozialen Situationen |
| Trennungsangststörung | übermäßige Angst vor der Trennung von Bezugspersonen |
| Selektiver Mutismus | Schweigen in bestimmten sozialen Situationen trotz vorhandener Sprechfähigkeit |
Eine häufige Klausurfalle: Zwangsstörung und Posttraumatische Belastungsstörung stehen in der ICD-11 und im DSM-5 nicht mehr bei den Angststörungen, sondern in eigenen Kapiteln.
Erklärungsmodelle, die du kennen solltest
Zwei-Faktoren-Theorie nach Mowrer
Die Angst wird zunächst klassisch konditioniert, indem ein neutraler Reiz mit einer bedrohlichen Erfahrung gekoppelt wird. Aufrechterhalten wird sie operant: Vermeidung reduziert die Angst kurzfristig und wird dadurch negativ verstärkt. Weil die Person die Situation nie mehr erlebt, kann sie nicht lernen, dass die Gefahr ausbleibt.
Kognitives Modell der Panikstörung nach Clark
Körperempfindungen wie Herzklopfen werden katastrophisierend fehlinterpretiert, etwa als Zeichen eines Herzinfarkts. Diese Bewertung steigert die Angst, die Angst verstärkt die Körperempfindungen, und es entsteht ein Teufelskreis bis zur Panikattacke.
Modell der sozialen Angst nach Clark und Wells
In sozialen Situationen richten Betroffene die Aufmerksamkeit stark auf sich selbst und auf ihr vermeintlich auffälliges Verhalten. Sicherheitsverhalten wie Blickkontakt vermeiden hält die Angst aufrecht, weil es neue korrigierende Erfahrungen verhindert.
Sorgen als Vermeidung bei generalisierter Angst
Nach Borkovec dient das Sorgen als eine Form kognitiver Vermeidung. Sprachlich-abstraktes Grübeln dämpft kurzfristig körperliche Erregung, verhindert aber die emotionale Verarbeitung der Befürchtungen.
Behandlung
Kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition gilt nach den Leitlinien als Behandlung der ersten Wahl. Bei der Exposition setzen sich Betroffene den gefürchteten Situationen oder Körperempfindungen gezielt aus, ohne zu vermeiden. Je nach Modell wird das mit kognitiven Techniken ergänzt. Medikamentös kommen vor allem bestimmte Antidepressiva infrage. Die konkrete Behandlung richtet sich immer nach Diagnose und ärztlicher beziehungsweise psychotherapeutischer Einschätzung.
Weiterlernen
Störungsbilder nach ICD-11 erklärt das Skript Klinische Psychiatrie, Behandlungsansätze das Skript Klinische Psychologie & Psychotherapie. Beide sind im Prüfungspaket Klinische Psychologie enthalten. Wie die Lernprinzipien hinter der Zwei-Faktoren-Theorie funktionieren, zeigt der Artikel Klassische und operante Konditionierung.
Häufige Fragen
Gehört die Zwangsstörung zu den Angststörungen?
In älteren Klassifikationen ja, in ICD-11 und DSM-5 nicht mehr. Dort bildet sie mit verwandten Störungen ein eigenes Kapitel.
Was ist der Unterschied zwischen Panikstörung und Agoraphobie?
Bei der Panikstörung stehen unerwartete Panikattacken im Vordergrund. Bei der Agoraphobie geht es um die Angst vor bestimmten Situationen, aus denen Flucht schwierig wäre. Beides kann gemeinsam auftreten.
Warum ist Vermeidung bei Angststörungen problematisch?
Sie senkt die Angst kurzfristig und wird dadurch verstärkt. Langfristig verhindert sie die Erfahrung, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt.
Häufige Fragen
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