Im SORKC-Modell ist die Konsequenz C das, was auf ein Verhalten folgt. Die Kontingenz K beschreibt, wie verlässlich diese Folge an das Verhalten gekoppelt ist. Die Konsequenz beantwortet die Frage „Was passiert danach?“, die Kontingenz die Frage „Wie regelmäßig passiert das gerade wegen des Verhaltens?“. Erst beides zusammen erlaubt eine Hypothese darüber, warum ein Verhalten bestehen bleibt. Im Folgenden siehst du die Unterscheidung an einem durchgerechneten Fall.
Wofür stehen die Buchstaben im SORKC-Modell?
Das Schema der Verhaltensanalyse geht auf Frederick Kanfer und Kollegen zurück. Es zerlegt eine konkrete Situation in fünf Bausteine, die du einzeln beschreiben und prüfen kannst.
| Baustein | Bedeutung | Leitfrage für die Analyse |
|---|---|---|
| S | Situation, Stimulus | In welcher konkreten Situation tritt das Verhalten auf, und was ist anders, wenn es ausbleibt? |
| O | Organismusvariable | Welche körperlichen oder überdauernden Bedingungen der Person verändern die Wirkung der Situation? |
| R | Reaktion | Was zeigt die Person auf körperlicher, kognitiver, emotionaler und motorischer Ebene? |
| K | Kontingenz | Wie regelmäßig folgt die Konsequenz auf die Reaktion, und wie oft tritt sie auch ohne sie auf? |
| C | Konsequenz | Was ändert sich unmittelbar und langfristig nach der Reaktion? |
S, O und R beschreiben, was vor und während des Verhaltens geschieht. K und C betreffen die Folgen und sind damit der Teil, der eine Aussage über die Aufrechterhaltung ermöglicht.
Was beschreibt die Konsequenz C genau?
Die Konsequenz ist ein Ereignis in der Umgebung oder im Erleben der Person, das auf die Reaktion folgt. Üblich ist eine Einteilung in vier Arten, je nachdem, ob etwas hinzukommt oder wegfällt und ob es angenehm oder unangenehm ist.
| Schreibweise | Was passiert | Erwartete Wirkung auf das Verhalten |
|---|---|---|
| C+ | Angenehmes kommt hinzu | positive Verstärkung, Verhalten wird häufiger |
| C− | Unangenehmes kommt hinzu | positive Bestrafung, Verhalten wird seltener |
| C̸− | Unangenehmes fällt weg | negative Verstärkung, Verhalten wird häufiger |
| C̸+ | Angenehmes fällt weg | negative Bestrafung, Verhalten wird seltener |
Außerdem unterscheidest du kurzfristige von langfristigen Konsequenzen. Bei vielen klinischen Problemen ist die kurzfristige Folge angenehm, etwa Erleichterung, während die langfristige Folge schadet, etwa weil sich die Angst nie überprüfen lässt. Die kurzfristige Folge wirkt meist stärker auf das Verhalten.
Ob eine Konsequenz wirklich verstärkend ist, steht nicht in der Tabelle. Das zeigt sich erst daran, dass das Verhalten unter dieser Bedingung häufiger wird.
Was beschreibt die Kontingenz K?
Die Kontingenz beschreibt die Regel, nach der die Konsequenz an das Verhalten gebunden ist. In Lehrbüchern wird dabei oft zwischen kontinuierlicher Verstärkung, bei der die Folge jedes Mal eintritt, und intermittierender Verstärkung unterschieden, bei der sie nur manchmal eintritt. Intermittierend verstärktes Verhalten gilt als besonders löschungsresistent.
Für die Fallanalyse ist noch ein zweiter Punkt wichtig. Eine Folge kann nach dem Verhalten sehr häufig auftreten und trotzdem nichts mit ihm zu tun haben, weil sie auch ohne das Verhalten genauso häufig auftritt. Du vergleichst deshalb zwei bedingte Wahrscheinlichkeiten:
ΔP = P(Konsequenz | Reaktion) − P(Konsequenz | keine Reaktion)
Ist ΔP deutlich größer als null, hängt die Folge vom Verhalten ab. Liegt ΔP nahe null, ist die Folge zwar zeitlich nah, aber nicht kontingent. Zeitliche Nähe allein heißt Kontiguität und ist etwas anderes.
Wie berechnest du die Kontingenz an einem Fall?
Ein konstruierter Fall: Frau L. leidet unter Sorgen um ihre Gesundheit. Wenn sie ein Körpersymptom bemerkt, fragt sie oft ihren Partner, ob das gefährlich sein könnte. Über zwei Wochen protokolliert sie 20 Situationen mit Symptombemerkung. In 14 Situationen fragt sie nach, in 6 nicht. Notiert wird jeweils, ob die Anspannung innerhalb von zehn Minuten deutlich nachlässt.
| Protokoll | Situationen | Anspannung lässt nach | Anteil |
|---|---|---|---|
| mit Rückversicherungsfrage | 14 | 12 | 0,86 |
| ohne Rückversicherungsfrage | 6 | 2 | 0,33 |
ΔP = 12/14 − 2/6 = 0,857 − 0,333 = 0,52. Die Erleichterung tritt nach der Frage deutlich häufiger auf als ohne sie. Das stützt die Hypothese, dass das Wegfallen der Anspannung die Rückversicherung negativ verstärkt.
Jetzt eine Variante: Ohne Nachfrage lässt die Anspannung in 5 von 6 Situationen nach. Dann gilt ΔP = 12/14 − 5/6 = 0,857 − 0,833 = 0,02. Die Konsequenz „Erleichterung“ ist genauso häufig wie vorher, aber sie hängt kaum noch an der Frage. Die Verstärkerhypothese wird damit schwach, und du würdest nach einer anderen Funktion suchen, etwa Nähe zum Partner.
Beachte zwei Grenzen. Erstens sind sechs Situationen ohne Nachfrage sehr wenig, eine einzige Beobachtung mehr kann den Anteil stark verschieben. Zweitens zeigt ΔP nur eine Beziehung. Ob die Folge wirklich verstärkt, prüfst du daran, ob das Fragen über die Zeit häufiger wird.
Genau diese Trennung übst du im Studienheft Verhalten mit dem SORKC-Modell erklären. Es enthält 15 Lernstationen von der Situation bis zur Hypothesenrevision, jeweils mit zwei kontrastierenden Fällen oder einem Protokoll zum Nachrechnen und einer Prüfungsfrage mit kommentierter Lösung.
Warum werden Kontingenz und Konsequenz so oft verwechselt?
Ein Grund ist der Buchstabe. Das K liegt im Deutschen nah an „Konsequenz“, gemeint ist aber Kontingenz. Weitere typische Fehler in Klausuren:
- Die Folge wird unter K eingetragen und C bleibt leer oder wiederholt dasselbe.
- Unter K steht nur „immer“, ohne zu prüfen, wie oft die Folge auch ohne das Verhalten eintritt.
- Eine Folge, die zeitlich direkt danach kommt, wird automatisch als kontingent behandelt.
- Eine einzige Erleichterung wird als Beweis für negative Verstärkung gewertet.
Hilfreich ist eine feste Reihenfolge beim Lesen einer Vignette: erst Situation und Reaktion markieren, dann die unmittelbare Folge suchen, dann fragen, wie oft diese Folge ohne die Reaktion auftritt, und zuletzt das spätere Verhalten betrachten.
Wie sieht eine vollständige SORKC-Analyse für das Beispiel aus?
| Baustein | Eintrag für Frau L. |
|---|---|
| S | bemerkt ein Ziehen in der Brust, Partner ist erreichbar |
| O | frühere Herzerkrankung des Vaters, wenig Schlaf in der Prüfungsphase |
| R | Gedanke „Das könnte ein Infarkt sein“, Angst, Herzklopfen, fragt den Partner |
| K | Erleichterung folgt in 12 von 14 Fällen nach der Frage, ohne Frage in 2 von 6 Fällen |
| C | kurzfristig C̸−: Anspannung lässt nach; langfristig: die Sorge wird nie selbst überprüft, Partner reagiert zunehmend gereizt |
Aus dieser Analyse ergibt sich eine prüfbare Hypothese. Das Fragen wird durch das schnelle Nachlassen der Anspannung aufrechterhalten. Für die Therapieplanung würdest du als Nächstes überlegen, welches Ersatzverhalten dieselbe Funktion erfüllen könnte und wie sich die Hypothese durch weitere Beobachtungen bestätigen oder widerlegen lässt.
Übungsfrage im Klausurstil
Herr M. verlässt in Teambesprechungen mehrmals den Raum, sobald er etwas vortragen soll. Draußen lässt seine Anspannung innerhalb weniger Minuten nach. Er bleibt in fast allen Besprechungen mit Vortrag kurz draußen. Welche Aussage beschreibt die Kontingenz K?
- ADas Nachlassen der Anspannung nach dem Verlassen des Raums.
- BDie Erwartung, sich vor den Kolleginnen und Kollegen zu blamieren.
- CDie Regelmäßigkeit, mit der die Anspannung nach dem Hinausgehen nachlässt, verglichen mit Besprechungen, in denen er bleibt.
- DDie Aufforderung, etwas vorzutragen.
- ESeine erhöhte Herzfrequenz während der Besprechung.
Lösung zeigen
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Häufige Fragen
Steht das K im SORKC-Modell für Konsequenz?
Nein. K steht für Kontingenz, also die Beziehung zwischen Verhalten und Folge. Die Konsequenz selbst ist das C, nach dem englischen Wort consequence. Diese Verwechslung ist in Klausuren einer der häufigsten Fehler.
Was gehört zur Organismusvariable O?
Zur Organismusvariable zählen biologische und überdauernde Bedingungen der Person, die die Wirkung einer Situation verändern können, etwa Schlafmangel, Erkrankungen, Medikamente oder gelernte Grundannahmen. Formuliere sie so, dass sie prüfbar bleiben, und nicht als bloßes Persönlichkeitsetikett.
Wie viele Beobachtungen brauche ich für eine Aussage zur Kontingenz?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Du brauchst aber immer beide Vergleichsgruppen: Situationen mit und ohne das Verhalten. Wenige Beobachtungen ergeben eine sehr unsichere Schätzung, deshalb sind über einige Tage geführte Protokolle hilfreich.
Beweist eine hohe Kontingenz, dass eine Folge verstärkend wirkt?
Nein. Eine hohe Kontingenz macht eine Verstärkerhypothese plausibel. Belegt ist die Verstärkung erst, wenn das Verhalten unter dieser Bedingung in ähnlichen Situationen häufiger wird.
Stand: November 2026. Psychologie Helden ist ein unabhängiges Lernangebot und mit keiner Hochschule verbunden. Verbindlich sind die Studien- und Prüfungsordnung deines Studiengangs und die Vorgaben deiner Lehrenden.
